Notizen aus der Arbeit des ibp.Instituts – Februar/März 2026
In den vergangenen Monaten sind in verschiedenen Projekten und Gesprächen immer wieder ähnliche Fragen aufgetaucht. Sie betreffen weniger einzelne arbeitsrechtliche Probleme als vielmehr die grundsätzliche Entwicklung der Arbeitswelt:
- Wie verändert Digitalisierung die Organisation von Arbeit?
- Welche Rolle spielt Mitbestimmung in dieser Transformation?
- Und welche Formen von Wissen werden künftig benötigt, um diese Veränderungen zu verstehen und zu gestalten?
Diese Fragen sind nicht neu. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der technologische Entwicklungen – insbesondere Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – organisatorische Strukturen verändern. Immer häufiger zeigt sich, dass viele Diskussionen über die Zukunft der Arbeit wichtige Aspekte berühren, aber häufig eine zentrale Dimension ausblenden.
Der Fokus des Future-Skills-Diskurses
Ein großer Teil der aktuellen Debatte über die Transformation der Arbeitswelt wird unter dem Begriff der Future Skills geführt. Dabei stehen vor allem individuelle Kompetenzen im Mittelpunkt.
Typische Beispiele sind:
- Problemlösungsfähigkeit
- digitale Kompetenz
- Kreativität
- Kollaboration
- Anpassungsfähigkeit
Diese Perspektive ist zweifellos wichtig. Organisationen brauchen Menschen, die mit neuen Technologien umgehen können und bereit sind, sich auf Veränderungen einzulassen.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass diese Sichtweise häufig zu kurz greift.
Denn Transformation betrifft nicht nur die Fähigkeiten einzelner Personen, sondern auch die Struktur von Organisationen selbst.
Transformation als Organisationsfrage
Technologische Veränderungen wirken immer auch auf organisatorische Strukturen.
Sie verändern beispielsweise:
- Entscheidungsprozesse
- Verantwortungsstrukturen
- Informationsflüsse
- Formen der Zusammenarbeit
- Beteiligungsmechanismen
Besonders deutlich wird dies derzeit im Zusammenhang mit datengetriebenen Systemen und KI-gestützten Anwendungen. Entscheidungen werden zunehmend auf der Grundlage komplexer technischer Systeme vorbereitet oder getroffen.
Damit verschieben sich nicht nur Kompetenzen, sondern auch Fragen der Steuerung und Kontrolle von Organisationen.
In diesem Zusammenhang rückt ein Begriff stärker in den Mittelpunkt, der in vielen Debatten bislang nur am Rande vorkommt: Governance.
Die Frage der Governance
Wenn Organisationen sich verändern, stellt sich immer auch die Frage, wer diese Veränderungen gestaltet und kontrolliert.
Transformation ist daher nicht nur ein Lernprozess, sondern auch eine Frage der organisatorischen Steuerung.
Dabei spielen mehrere Ebenen zusammen:
- strategische Orientierung
- organisatorische Gestaltung
- rechtliche Rahmenbedingungen
- Beteiligungsstrukturen
- Kompetenzentwicklung
Gerade im deutschen System der Arbeitsbeziehungen kommt hier der betrieblichen Mitbestimmung eine besondere Rolle zu.
Betriebsräte sind nicht nur Interessenvertretungen, sondern Teil der institutionellen Architektur, die Veränderungen in Organisationen strukturiert.
In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt kann diese Rolle sogar an Bedeutung gewinnen.
Mitbestimmung in der Transformation
Wenn technologische Systeme Arbeitsprozesse verändern, entstehen neue Fragen:
- Wie transparent sind algorithmische Entscheidungen?
- Wer kontrolliert datenbasierte Leistungsbewertungen?
- Wie werden Beschäftigte auf neue Technologien vorbereitet?
- Welche Qualifikationen werden künftig benötigt?
Diese Fragen sind nicht allein technische oder wirtschaftliche Fragen. Sie betreffen auch Beteiligung, Verantwortung und Kontrolle.
Mitbestimmung wird damit zu einem wichtigen Bestandteil dessen, was man als Transformations-Governance beschreiben könnte.
Die Rolle des ibp.Instituts
Vor diesem Hintergrund stellt sich auch für uns die Frage, wie Wissen über Arbeit, Organisation und Mitbestimmung künftig entwickelt werden kann.
Die Arbeit in der Praxis – etwa in der Beratung von Betriebsräten oder in arbeitsrechtlichen Fällen – liefert viele konkrete Beobachtungen. Gleichzeitig zeigt sich, dass diese Erfahrungen systematisch analysiert und in größere Zusammenhänge eingeordnet werden müssen.
Das ibp.Institut versteht seine Aufgabe daher vor allem darin,
- Beobachtungen aus der Praxis zu analysieren,
- strukturelle Entwicklungen sichtbar zu machen,
- und Konzepte zur Gestaltung von Transformation zu entwickeln.
Dabei geht es nicht um abstrakte Theorie, sondern um die Verbindung von Praxis, Analyse und Wissensentwicklung.
Ausblick
Die hier skizzierten Überlegungen sind kein abgeschlossenes Konzept. Sie markieren eher einen Ausgangspunkt für weitere Arbeiten.
In den kommenden Monaten wird sich das ibp.Institut intensiver mit Fragen der Transformation von Arbeit und Organisation beschäftigen. Dabei wird insbesondere untersucht werden, wie sich technologische Entwicklungen, betriebliche Mitbestimmung und organisatorische Gestaltung miteinander verbinden lassen.
Viele dieser Fragen stehen erst am Anfang. Gerade deshalb erscheint es sinnvoll, sie frühzeitig systematisch zu diskutieren.
Andreas Galatas
Geschäftsführer
ibp.Institut

